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» 08.12.2009: Krise bei der LBBW – Absturz einer Musterbank

Einst Vorzeige jetzt Skandalinstitut – 240 Ermittler starteten am Montag eine Großrazzia bei der Landesbank Baden-Württemberg. Sowohl aktive als auch ehemalige Manager werden verdächtigt, Millionen verzockt zu haben.

Am Montagmorgen fanden sich 240 Ermittler bei der Landesbank Baden-Württemberg ein und durchsuchten Büros, beschlagnahmten Unterlagen. Mehrere Stunden dauerte die Razzia. Durch die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt wurde erklärt, dass es um den Verdacht der schweren Untreue gegen sieben teils noch amtierende, teil bereits ausgeschiedene Manager der Bank geht. Noch vor zwei Jahren als Musterinstitut dargestellt, sind dies schwere Stunden für die Landesbank. Damals wurde der damalige Chef Siegfried Jaschinski auf eine Art gefeiert, wie es für einen Chef der Landesbank ungewöhnlich war. Heute gehört er zum Kreis der Verdächtigen.

Bereits seit 1998, seit der Gründung der aus der SüdwestLB und der Landesbank entstandenen LBBW, befand sich das Geldinstitut auf Expansionskurs. Schrittweise wurde die Baden-Württembergische Bank AG aufgekauft. Durch sie hat die LBBW im Gegensatz zu vielen anderen Landesbanken ein festes Standbein im Privatkundengeschäft. Im Jahr 2005 erstand Jaschinski noch die letzten 20 Prozent der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Anfang 2006 hat die Bank zwei Dutzend Standorte im Ausland, eine dicke Kapitaldecke und die Bilanz sieht gut aus. Jaschinski will auch die Landesbank Berlin kaufen, was jedoch nicht realisiert werden kann.

Bereits im Sommer 2007 fordert die Finanzkrise die ersten Opfer in Europa und die LBBW kauft die wankende SachsenLB, welche Unsummen auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt investiert hat und eine stark belastete Bilanz ausweist. Hier erklärt er bei einer Pressekonferenz selbstbewusst: „Die Risiken sind beherrschbar“. Ende 2007 wird deutlich, die Banker der LBBW haben sich übernommen, in den Büchern sieht es schlecht aus. Augenscheinlich hat man doch nicht alle Risiken betrachtet.

2008 wurde ein Minus von mehr als zwei Milliarden Euro eingefahren, im Sommer wurde eine Geldspritze von fünf Milliarden Euro notwendig und auch Ausfallbürgschaften über 12,7 Milliarden Euro wurden übernommen. Der einstige Star-Banker Jaschinski wurde auf Drängen von politischer Seite abgelöst, sein Nachfolger Vetter legte ein drastisches Sparprogramm auf, dem unter anderem 2500 Jobs zum Opfer fielen.

Nun scheint dem ehemaligen Bankenchef Jaschinski ein unangenehmes Nachspiel zu drohen – ebenso wie sechs seiner ehemaligen Kollegen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: „Das Vermögen der Bank wurde pflichtwidrig durch Geschäfte mit US-Hypothekenanleihen gefährdet oder geschädigt“. In einer Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hieß es, dass der Schaden noch nicht feststeht, jedoch im Millionenbereich liegen dürfte.

All die Mitarbeiter, die jetzt um ihren Job bangen, dürfte es mit einer gewissen Genugtuung erfüllen, dass die möglicherweise Verantwortlichen für die Misere so noch zur Verantwortung gezogen werden könnten. Auf besonders schwere Untreue stehen bis zu zehn Jahren Gefängnis.

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